Der Pirnaer Stadtrat Sebastian Gilbert (Grรผne) hat Aussagen von Pirnas Oberbรผrgermeister Klaus-Peter-Hanke (parteilos) zum geplanten Industriepark Oberelbe (IPO) heftig kritisiert. Seine Kritik entzรผndet sich vor allem an Passagen in einem Gesprรคch, dass Sรคchsische.de mit dem Rathauschef fรผhrte.
Hanke wurde dabei befragt, ob er noch eine reelle Chance fรผr den IPO sieht. Der Oberbรผrgermeister bejahte diese Frage. Allerdings gebe es aus einer Sicht eine kleine Gruppe, die aus unterschiedlichen Beweggrรผnden eine negative Stimmung gegen den IPO verbreite. Eine Mehrheit in der Region stehe hingegen fรผr eine wirtschaftliche Weiterentwicklung.
Bei seiner Kritik wirft Gilbert vor allem die Frage auf, wer mit der โkleinen Gruppeโ gemeint sei. Aus seiner Sicht kรถnne das nicht jene rund 1.200 Menschen betreffen, die hinsichtlich des Vorentwurfs fรผr den IPO-Bebauungsplan kritische Einwendungen dagegen erhoben haben. Darรผber hinaus kรถnnten auch nicht die รผber 600 Teilnehmer einer Menschenkette gegen den IPO im Mai 2019 oder die Unterzeichner eines aus seiner Sicht spรคter abgewรผrgten Bรผrgerbegehrens sein. Ebenso wenig wie beispielsweise die Naturschutzverbรคnde NABU und BUND sowie die evangelische Kirchgemeinde Pirna und andere, die sich ablehnend zum IPO รคuรern.
Berechtigte Kritik am Etat
Vรถllig unberechtigt erscheint Gilbert die Aussage von Hanke, sollte sie explizit die Dohnaer Bรผrgervereinigung โIPO stoppenโ betreffen. Diese Vereinigung habe in zahlreichen Schreiben zum Haushaltsentwurf 2021 sachlich und fachlich fundiert ihre Sorge um die Wirtschaftlichkeit des Projektes zum Ausdruck gebracht. Zudem habe sie dargelegt, wie der IPO die drei beteiligten Kommunen Pirna, Heidenau und Dohna finanziell รผberfordere.
Zwar sei dieser Etat vom Landratsamt genehmigt worden. Jedoch sei laut Gilbert anzumerken, dass die Behรถrde wesentliche Kritikpunkte der Bรผrgervereinigung aufgegriffen und strenge Auflagen fรผr die kรผnftigen Haushalte des IPO-Zweckverbandes festgelegt habe.
So werde unter anderem gefordert, bei den zukรผnftigen Etats im Vorbericht detaillierte Aussagen zur Wirtschaftlichkeit des Projektes โ gemessen an Aufwendungen und Ertrรคgen โ mindestens fรผr die zehn dem Haushaltsjahr folgenden Jahre zu treffen. Zuvor habe dieser Berichtszeitraum nur drei Jahre umfasst.
OB soll Aussagen korrigieren
Generell wirft der Grรผnen-Stadtrat dem Rathauschef vor, er dรผrfe kritisches, sachliches Bรผrgerengagement โ sollte es auch noch so unbequem und unwillkommen sein โ nicht als Stimmungsmache herabwรผrdigen. Die IPO-Kritiker derart zu diffamieren, sei eines Oberbรผrgermeisters unwรผrdig und konterkariere zudem seine wertzuschรคtzenden Bemรผhungen um den Dialog in der Bรผrgerschaft in der Vergangenheit.
Der vielfach deklarierten Bรผrgernรคhe und Transparenz im IPO-Planungsprozess habe der Oberbรผrgermeister mit seinen Aussagen jedenfalls einen Bรคrendienst erwiesen. Um einen sachlichen Dialog zu ermรถglichen, fordert Gilbert Hanke auf, seine Aussagen rasch und grรผndlich zu korrigieren.
Thomas Mรถckel/SZ

Nach den Hochwasserkatastrophen voriges Jahr im Ahrtal und anderswo und der damit verbundenen Erkenntnis, dass eine groรflรคchige Versiegelung von Naturflรคchen verheerende Folgen hat, ist es mir ein Rรคtsel, dass bei der Planung des IPO (140 ha) so weiter gemacht wird als wรคre nichts geschehen. Die Katastrophe von Fukushima auf der anderen Seite der Erdkugel hatte den Atomausstieg zur Folge! In Pirna gab es wahrscheinlich noch nie รberschwemmungen! Erstaunlich wer da mit ruhigem Gewissen schlafen kann. Mein Verdacht: Geld beruhigt auch Gewissen.